Große Objekte fotografieren

Bei der Produktfotografie denken die meisten Leute sicherlich erstmal an relativ handliche Dinge, wie beispielsweise Schmuck, elektronische Produkte oder vielleicht noch eine Kaffeemaschine.

Was aber, wenn das Produkt sehr groß wird, wie in unserem Fall Lokomotiv-groß.

Dann braucht man spezielles Fachwissen, denn damit gehen verschiedene Probleme einher:

  • Gegebenenfalls muss Kunstlicht sehr viel Leistung bringen
  • Ein Blitz allein reicht (theoretisch) nicht
  • Es ist schwer das Objekt im Bild zu betonen
  • Man braucht einen geeigneten Hintergrund

Im Herbst diesen Jahres war es unser Auftrag die folgende Lokomotive für unseren Kunden katalogtauglich abzubilden:

Klar ist, dieses Fotomotiv ist kein einfaches. Positiv ist für Fotografen, die sich vom Hintergrund abhebende Farbe. Trotz allem würde ohne exklusive Technik und Bearbeitung das Bild noch immer nicht besonders aussehen. Es wäre “halt einfach ein Bild einer orangenen Diesellokomotive”, welches in etwa wohl so aussehen würde:

Geht das auch in exklusiv?

Aber selbstverständlich! Wie geht man denn Produktfotos im kleinen Maßstab an? Man versucht sie durch den gezielten Einsatz von Kunstlicht in Szene zu setzen und zu bestimmte Details dadurch zu betonen. Aber bei so großen Objekten?

Geht nicht? – Richtig – Gibts nicht!

Hierzu muss man den Blitz einfach etwas anders einsetzen. Denn dank Photoshop können wir nur einzelne Teile des Bilds beleuchten und diese in der Postproduktion zusammensetzen. Besondere Details heben wir dabei besonders vor, d.h. konkret: Wir fotografieren die Lok in mehreren Belichtungen mit ein- und demselben Blitz und schreiten diese dabei Stück für Stück ab und machen dabei lieber ein paar Bilder mehr um dunkle Stellen zu vermeiden. Diese kosten zum Ausbessern am Schluss nur sehr viel Zeit und Nerven.

Für die “grobe Ausleuchtung” eignet sich ein Normalreflektor besonders gut. Seine Lichtausbeute ist hoch und der Lichtformer an sich ist leicht zu handeln, für Details nutzen wir eine Softbox. Mit dieser setzen wir besondere Merkmale und Details in Szene.

Besonders bei großen Objekten und den damit verbundenen Laufwegen zur Kamera ist eine Fernbedienung unerlässlich. Am Besten nutzt man hierzu sein Smartphone, dabei wird nämlich das soeben geschossene Bild immer direkt auf das Handy-Display übertragen, womit man die aktuellen Ergebnisse immer stets im Blick hat.

In der Postproduktion legt man nun die einzeln geschossenen Bilder übereinander. Angefangen von einer Belichtung komplett ohne Objekt, über eine Belichtung ohne Kunstlicht (um die natürlichen Schatten zu rekonstruieren), über die Aufnahmen mit den verschiedenen Belichtungen des Objekts.

TIPP Nutze zur Überlagung den Modus “Hellere Farbe”: Hierbei überblendet Photoshop immer nur den hellsten Teil des Bilds, womit du automatisch auf deine unbelichtete Grundaufnahme immer nur den mit dem Blitz belichteten Teil legst.

Klingt erstmal sehr einfach. Macht aber eben leider auch die Schatten kaputt, da diese leider dunkler sind, als die mit dem Blitz belichteten Einzelaufnahmen. Es gilt also im Anschluss die Schatten durch Ausmaskieren wieder herzustellen.

Würde man diesen Punkt missachten, muss man mit folgendem Ergebnis rechnen:

Schatten wiederherstellen

Genau deshalb ist es bei dieser Technik so wichtig ein Bild komplett ohne Kunstlicht zu erstellen, denn aus diesem können wir die Schatten unterhalb der Lok reproduzieren.

Das Endergebis

Wenn wir all diese Punkte beachtet und eingehalten haben, sollten wir ein finales Bild erstellt haben, welches:

  • Das Motiv klar abhebt,
  • aus der Masse hervorsticht,
  • den Blick auf sich zieht
  • und absolut katalogtauglich ist.

Klar, der Aufwand ist immens und ein Bild nimmt gut und gerne 3-6 Arbeitsstunden in Anspruch. Aber mit dem Ergebnis kann man eben auch hausieren gehen und es sich in jeden Katalog oder gar auf Poster drucken. Durch seinen besonderen Look wird es definitiv Blicke auf sich ziehen.

Speedretusche

Für sehr interessierte Leser gibt es nun noch die komplette Retusche des Bildes, jedoch etwas beschleunigt:

Abschließende Worte

 

Klar ist, dass diese Art der Fotografie ein wenig Gefühl, Erfahrung und auch geeignetes Equipment braucht. Tatsächlich ist es aber unter anderem diese Art der Fotografie, die mich mit am meisten in ihren Bann zieht. Dinge “besonders” zu machen. Darstellen, wie es nur wenige andere machen und vielleicht auch können. Das Besondere hervorheben, dem Betrachter nahe bringen, ohne, dass er es merkt. Bilder produzieren, auf denen die Betrachter “hängen” bleiben. All das ist es was mich antreibt, so viel Aufwand für nur ein Bild zu betreiben!

Nachdem wir ja ohnehin nahezu das gesamte Objekt im Verlauf der Postproduktion freistellen mussten, bietet es sich an, das Bild auch einmal mit weißem oder gar transparentem Hintergrund (aber mit Schatten!) auszugeben.

Das folgende Ergebnis lässt sich wunderbar und mit einem äußerst professionellen Look, sowohl auf Printmedien als auch online einsetzen:

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